16. Januar 2009, 09:48
Im Gegensatz zu den 80er und 90er Jahren dürfte es der OPEC diesmal gelingen, die
Ölpreise mittels Produktionskürzungen zu stabilisieren. Denn die OPEC-Mitglieder
scheinen derzeit fest entschlossen, die angekündigten Produktionskürzungen auch
komplett umzusetzen. Dadurch dürfte das Angebot schneller fallen als die Nachfrage,
weshalb der Ölmarkt 2009 insgesamt ein Defizit aufweisen wird. Wir erwarten für
das erste Halbjahr beim Ölpreis eine Bodenbildung zwischen 40 und 50 USD je Barrel,
ehe die Preise zum Jahresende wieder auf 70 USD je Barrel steigen werden.
Das US-Energieministerium hat die Prognose für die weltweite Ölnachfrage im Jahr 2009
erneut nach unten revidiert und erwartet nun einen Nachfragerückgang um 810 Tsd. Barrel
pro Tag. Wir rechnen sogar mit einem Nachfragerückgang um 1,2 Mio. pro Tag, vor allem
weil die Nachfrage in den OECD-Ländern sehr schwach ausfallen dürfte. Nichtdestotrotz:
Auch wenn die Ölnachfrage im laufenden Jahr markant zurückgeht, sollte die
Reaktion seitens der Produzenten ausreichen, um den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht
zu bringen und den Ölpreis bei 40-50 USD je Barrel zu stabilisieren.
Aufgrund von massiven Produktionskürzungen dürfte das tägliche OPEC-Angebot in den
kommenden Monaten im Vergleich zum letzten September um bis zu 4,2 Mio. Barrel sinken.
Diesmal zeigen sich die OPEC-Länder im Gegensatz zu den 80er und 90er Jahren fest
entschlossen, die Kürzungen auch komplett umzusetzen. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei
der größte OPEC-Ölproduzent Saudi Arabien ein, welcher sogar seine Bereitschaft signalisiert
hat, die Produktion unter seine aktuelle OPEC-Quote zu senken. Diese Ankündigung
ist glaubwürdig. Denn Saudi-Arabien hat schon vor der jüngsten OPEC-Kürzung die eigenen
Öllieferungen stärker gedrosselt als laut Quote eigentlich vorgesehen.
Dahinter steckt das Dilemma vieler Ölproduzenten: Aufgrund der in den letzten Jahren
gestiegenen Import- und Sozialausgaben sind sie auf einen deutlich höheren Ölpreis angewiesen
als in der Vergangenheit, bei Preisen unter 60 USD weisen viele Länder eine defizitäre
Handelsbilanz auf. Die Anbieter sind daher stark daran interessiert, dass der Ölpreis
nicht weiter fällt, was sich positiv auf die Quotendisziplin auswirkt. Zwar wird sich erst in
einigen Wochen zeigen, ob und in welchem Umfang der letzte Kürzungsbeschluss vom
Dezember um 2,2 Mio. Barrel pro Tag umgesetzt wird. Die meisten OPEC-Mitglieder haben
jedoch ihre Kunden bereits über Lieferkürzungen im Einklang mit dem Beschluss informiert.
Wie die vorliegenden Daten zeigen, wurden die vorherigen Kürzungen im September
und Oktober nahezu vollständig umgesetzt. Dies gilt auch für den Iran und Venezuela,
die bislang nicht für hohe Disziplin bekannt waren.
Wegen dieser massiven Produktionskürzungen der OPEC dürfte die Ölproduktion noch
stärker fallen als die Nachfrage. Im Gesamtjahr 2009 wird der Ölmarkt voraussichtlich ein
Defizit von bis zu 1 Mio. Barrel pro Tag aufweisen, so dass in den kommenden Monaten
die kürzlich massiv gestiegenen globalen Lagerbestände wohl zurückgehen werden. Damit
dürfte der Fokus der Marktteilnehmer wieder vermehrt auf die bestehenden Probleme auf
der Angebotsseite schwenken, während zuletzt nur der Nachfragerückgang Beachtung
fand. Der Ölmarkt scheint die bevorstehende Wende zu antizipieren. Denn die Terminpreise
für die Lieferungen in den nächsten Monaten sind bereits deutlich gestiegen.
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