Wochenvorschau Konjunkturdaten Commerzbank
10. Oktober 2008, 10:08
Käuferstreik im US-Einzelhandel
Die US-Konsumenten dürften ihr Portemonnaie auch im September nicht geöffnet
haben; der Einzelhandelsumsatz ist wohl weiter gefallen. Damit spricht alles für einen
deutlichen Rückgang des privaten Verbrauchs im dritten Quartal. Auch das verarbeitende
Gewerbe zeigt klare Anzeichen einer Rezession. Die Produktion fällt, rasche
Besserung ist nicht in Sicht. Die europäischen Daten werden wenig zur Stimmungsaufhellung
beitragen, der deutsche ZEW-Index steht vor einem Rückgang.
Der private Konsum in den Vereinigten Staaten hat sich in den Sommermonaten deutlich
abgeschwächt. Im Juli und August ist der Einzelhandelsumsatz bereits zurückgegangen,
und auch im September ist mit einer schwachen Zahl zu rechnen (Prognose: -1,0%, Konsens:
-0,5%). Der Absatz von Autos ist im September in annualisierter Rechnung auf 12,5
Mio. Fahrzeuge gefallen, nach 13,7 Mio. im August. Das sind die niedrigsten Verkaufszahlen
seit 1993. Umfragen deuten auch außerhalb des Automobilsektors auf rückläufige Umsätze
hin. Einzelhandelsumsätze werden in nominalen Dollar-Werten veröffentlicht. In realer
Rechnung, also nach Abzug der Teuerung, ist für das dritte Quartal insgesamt ein Einbruch
der Umsätze um annualisiert 5% zu erwarten. Der private Verbrauch, der auch Ausgaben
für Dienstleistungen einschließt, steht im dritten Quartal vor dem ersten Rückgang
seit 1991. Ein Rückgang von mindestens 2% ist realistisch, was rein rechnerisch das Wirtschaftswachstum
um etwa 1,4 Prozentpunkte drücken würde. Dieses kommt allein deshalb
in bedenkliche Nähe zur Null-Linie. Damit wird auch die „offizielle“ Verkündigung einer
Rezession durch das National Bureau of Economic Research immer wahrscheinlicher.
Indikatoren wie der Arbeitsmarkt und die Industrieproduktion sind ohnehin auf klarem Rezessionskurs.
Im August lag die Industrieproduktion 1,5% unter dem ein Jahr zuvor erreichten
Niveau. In der Vergangenheit war eine derartiger Rückgang immer mit einer Rezession
verbunden, im September dürfte sich das Minus noch vergrößert haben.
Der deutliche Rückgang der in der Industrie geleisteten Arbeitsstunden spricht jedenfalls
für ein sehr schwaches Produktionsergebnis im September.
Deutschland: ZEW-Index und das Leiden der Analysten
Der deutliche Anstieg des ZEW in den vergangenen Monaten hatte manchen überrascht.
Dabei stand er durchaus im Einklang mit früheren Wendepunkten: Zum einen schöpften
die Analysten Hoffnung, dass die EZB bald die Zinsen senken könnte. Zum anderen schätzten
sie die aktuelle Situation immer schlechter ein, so dass nach dem Motto „Es kann nur
noch besser werden!“ auf Sicht von 6 Monaten zunehmend eine Verbesserung erwartet
wurde. Beide Faktoren sollten auch derzeit noch gelten. Allerdings dürfte dies alles durch
die Finanzmarktkrise überdeckt werden, so dass wir einen neuerlichen Rückgang des ZEW
von -41,1 auf -45,0 erwarten (Konsens: -50,0).
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