Seit seinen Höchstständen vom Juli 2008 hat der Rubel gegenüber dem Währungskorb
aus USD und EUR um rund 28% abgewertet. Doch selbst dieser massive
Wertverlust der russischen Währung reflektiert noch längst nicht den wahren
Abwertungsdruck. Denn die Zentralbank hat in dieser Zeit massiv interveniert, um
eine stärkere Abwertung zu verhindern. Angesichts der immer noch hohen Devisenund
Goldreserven dürfte die Notenbank die Abwertung weiter bremsen. Es besteht
allerdings das Risiko, dass sie ihren Widerstand irgendwann aufgeben muss.
Der Georgien-Konflikt, die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise und fallende Ölpreise
haben dem jahrelangen Aufwertungstrend des Rubel ein jähes Ende bereitet. Auch der
jüngste Gasstreit dürfte noch fortwirken. Denn den europäischen Kunden ist klar geworden,
dass sie ihre Gasimporte diversifizieren müssen. Auch wenn die dazu nötige Infrastruktur
erst installiert werden muss: Die Aussicht auf einen geringeren Marktanteil Russlands
und damit weiter sinkende Exporteinnahmen belastet den Rubel schon heute.
Die CBR hat zwar zugunsten des Rubel interveniert. Um die Reserven nicht sinnlos zu
„verpulvern“, musste sie jedoch eine graduelle Abwertung zulassen. Diese Abwertung hat
mittlerweile eine Eigendynamik entwickelt. Jeder weiß, dass angesichts des fundamentalen
Umfeldes der Abwertungsdruck anhält. Daher ist die gemanagte Abwertung eine Einladung,
gegen den Rubel zu wetten. Die Folge ist, dass die CBR eine Abwertung in immer
schnelleren Schritten zulassen muss. In den letzten drei Tagen musste sie jeweils einen
Abwertungsschritt vornehmen. Kann dieser Trend enden bevor die Reserven der Zentralbank
verbraucht sind?
Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass die Gold- und Devisenreserven mit knapp
400 Mrd. USD immer noch beträchtlich sind. Ferner dürfte die Abwertung bereits
einen gewissen positiven Effekt auf die Handelsbilanz Russlands haben. Sollte der Ölpreis
nicht weiter fallen, ist zumindest eine Stabilisierung der Exporte auf niedrigen Niveaus zu
erwarten. Unser zentrales Szenario ist deshalb eine weitere Abwertung um „lediglich“ 10
bis 15% in den nächsten Monaten.
Ein Investor in RUB sollte sich allerdings auch des Risikoszenarios bewusst sein: Der Abwertungstrend
könnte sich in eine immer schneller drehende Abwertungsspirale verwandeln.
Sollten immer mehr Rubel-Anleger (dazu zählen auch die heimischen Haushalte und
Unternehmen) in der Erwartung weiterer Abwertungen ihre Rubel-Bestände auflösen,
würde dies den Abfluss an Devisenreserven zunehmend beschleunigen. Dann wäre eine
weitere Verteidigung des Rubels durch die CBR sinnlos und nur noch eine Verschwendung
von wertvollen Devisenreserven. In einem solchen Fall würde der Rubel wahrscheinlich
freigegeben und-aufgrund des spekulativen Drucks-weit stärker fallen als dies fundamental
gerechtfertigt wäre. Eine Zunahme der Geschwindigkeit, mit der die Reserven
schwinden, wäre ein Warnsignal für ein solches Szenario.
Pressekonferenzen 12. März 2007 (IfW-Konjunkturprognose für März) 23. November 2006 (Ifo-Geschäftsklima-Index für November) 12. Oktober 2001 (Einzelhandelsumsätze für August) 11. September 2001 (Handelsbilanz für Juli)
Wirtschaftsdaten 04. Oktober 2010 (Pkw-Neuzulassungen für September) 04. Oktober 2010 (sentix Konjunkturindex für Oktober) 04. Oktober 2010 (Konjunkturprognose 2011) 17. September 2010 (Erzeugerpreise für August) 15. September 2010 (Konjunkturprognose) 15. September 2010 (Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe für Juli) 14. September 2010 (ZEW Konjunkturerwartungen für September) 14. September 2010 (Großhandelspreise für August) 10. August 2010 (Großhandelspreise für Juli) 10. August 2010 (Verbraucherpreise für Juli)