Rentenmarktkommentar HSH
20. November 2008, 10:30
USA - Datenkalender
14:30 Initial Jobless Claims (in Tsd.) 46. KW 505 516
14:30 Continuing Claims (in Tsd.) 45. KW 3900 3897
16:00 Index der Frühindikatoren (M/M, in %) Oct. -0.6 0.3
16:00 Philadelphia Fed Index Nov. -35 -37.5
Fed-Redner: Kroszner
Eurozone - Datenkalender
8:00 GE Erzeugerpreise (M/M / J/J, in %) Nov. -0.7 / 7.3 0 / 7.8
EZB-Redner: Weber
Highlights
Dax fällt um 4,9% und zehnjährige Bunds auf tiefsten Stand seit Anfang 2006
Dow Jones Index unter 8000 und zehnjährige US-Renditen stürzen ab auf 3,25%
Brüssel plant angeblich Konjunkturpaket von 130 Mrd. EUR
Die Rezession ist da: BASF plant in den nächsten Monaten bis zu ein Viertel aller
Produktionskapazitäten stillzulegen oder zu drosseln
Markttechnik
Der Bund-Future hat gestern die 120er Marke überschritten. Nächster Widerstand liegt
um die 121 (Februar 2006), womit auch die 122 (Januar 2006) nicht mehr weit wären.
Der MACD-Indikator entfernt sich vom Verkaufssignal.
Der 14-Tage-RSI signalisiert, dass der Bund-Future übergekauft ist.
Marktkommentar
Gestern sind die Renditen der zehnjährigen T-Notes auf 3,32% und damit den tiefsten
Stand seit Juni 2003 gefallen. Anlass war der drastische Rückgang der Konsumentenpreise,
der Fall des Dow Jones Index unter die Marke von 8000 und das Protokoll der
letzten Zentralbanksitzung, das deutlich auf erneute Zinssenkungen hinwies. Insbesondere
haben einige Fed-Mitglieder das Deflationsgespenst an die Wand gemalt. Sollte in
der Fed Deflationspanik ausbrechen, dann kann dies allerdings die Renditen der langfristigen
Anleihen kräftig nach unten treiben. Denn Notenbankchef Bernanke hat im Jahr
2003 klar gemacht (als Bernanke noch einfaches Fed-Mitglied war und die Inflation auf
den Null-Punkt zuging), dass er notfalls auch am langen Ende der Treasury-Kurve agieren
wird, um mehr Geld in Umlauf zu bringen und wieder Inflation zu generieren. Am
Immobilienmarkt setzt sich die Deflation im wahrsten Sinne des Wortes jedenfalls fort:
Die Baubeginne von Wohneinheiten sind im Oktober um 4,5% auf den tiefsten Stand seit
1959 gefallen (annualisierte Rate). Und wo man schon bei historischen Vergleichen ist:
Die Aktie des Automobilkonzerns GM ist auf dem Niveau von 1942 angelangt. Gestern
haben die Vorstände von Chrysler und GM anlässlich ihres Antrags auf Staatshilfe aus
dem 700 Mrd. USD Rettungspaket in einer offiziellen Anhörung gesagt, dass ihren Unternehmen
schon bald die Liquidität ausgehen wird.
Heute stehen einige Daten aus der zweiten Reihe auf der Agenda. Die wöchentlichen
Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung werden sich vermutlich erhöht haben und der
Philadelphia Geschäftsklimaindex sollte weiterhin eine äußerst pessimistische Erwartung
der Unternehmen widerspiegeln, während die Leading Indicators eine Vertiefung der
Rezession deutlich machen dürften. Letztlich wird es darauf ankommen, was die Aktienmärkte
machen. Wenn sich hier die Panik fortsetzt, was durchaus möglich ist, könnten
die Renditen auch von den derzeit äußerst niedrigen Niveaus noch weiter sinken. Wir
teilen den Pessimismus in der jetzigen Ausprägung nicht, glauben aber, dass das Momentum
der Kursbewegungen derzeit gegen fundamentale Überlegungen spricht. Im
asiatischen Handel sind die zehnjährigen T-Notes bereits auf 3,25% gesunken.
In der Eurozone ist der Absturz der Bund-Renditen nicht ganz so deutlich wie das der
Pendants aus den USA ausgefallen. Das derzeit erreichte Niveau von 3,54% ist das
tiefste Niveau seit Anfang 2006, noch deutlich über dem Tiefststand von September
2005 (3,01%). Der Treiber dieser Entwicklung war neben den USA der Sturz der hiesigen
Aktienkurse, die Tatsache, dass Spaniens BIP das erste Mal in diesem Jahrzehnt
geschrumpft ist und dass der Bausektor der EU in einer tiefer als erwarteten Rezession
steckt. Die heutigen Daten (Produzentenpreise Deutschland, Industriegüteraufträge Italien)
sind zweitrangig. Entscheidend für die Entwicklung der Renditen werden erneut die
Aktienmärkte sein, für die wir derzeit kaum Optimismus hegen, trotz des geplanten Konjunkturpakets
aus Brüssel. Insgesamt erwarten wir daher sinkende Bund-Renditen.
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