Rentenmarktkommentar HSH
10. Oktober 2008, 10:04
Highlights
Panik an den Aktienmärkten
Massive Ausweitung des Angebots an Staatsanleihen drückt auf die Kurse
Hoffen auf das G7-Treffen: Stein der Weisen ist gesucht
Datenveröffentlichungen heute
USA
14:30 Uhr Importpreisindex Sep. (e: -2.8% M/M / 12.2% J/J nach -3.7% / +16%)
14:30 Uhr Handelsbilanz Aug. (e: -59 Mrd. USD nach -62.2 Mrd. USD)
Eurozone
8:45 Uhr Industrieproduktion FR Aug. (e: -0.8% M/M / -2.6% J/J nach 1.2% / -2%)
10:00 Uhr Industrieproduktion IT Aug. (e: -0.6% M/M / -4% J/J nach -1.1% / -0.6%)
EZB-Redner: Trichet, Bini-Smaghi
Markttechnik
Obwohl gestern die starke Unterstützung bei 115.89 kurzfristig unterschritten wurde,
konnte der Bund Future sie im Tagesverlauf dann doch verteidigen. Nun befindet sich
der Bund Future im Niemandsland. Erst ein Überschreiten des massiven Widerstands
bei 117.50 oder ein nachhaltiges Unterschreiten der 115.89 geben neues Potenzial.
Der MACD-Indikator ist von einem Signal weit entfernt.
Der 14-Tage-RSI kühlt sich weiter ab.
Marktkommentar
Die Finanzierung der zahlreichen Rettungsprogramme für den Finanzsektor in den USA wiegt
schwer auf den US-Treasuries. Gestern gab es trotz sich im freien Fall befindender Aktienkurse
wieder massive Kursrückgänge bei den Treasuries. Wahrscheinlich waren die bisherigen Rettungsprogramme
noch nicht das Ende der Fahnenstange. Das US-Treasury soll nun nach britischem
Vorbild auch über die direkte Beteiligung an Banken nachdenken. Gleichzeit gäbe es
Überlegungen, die Verbindlichkeiten von Banken und die Einlagensicherung zu garantieren. Alles
zielt darauf ab, den Interbankenmarkt wieder in Gang zu bringen. Die konzertierte Leitzinssenkungsaktion
der Notenbanken hat jedenfalls noch nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt.
Die Liquiditätslage bleibt äußerst angespannt. Ob sich das in den nächsten Tagen ändert,
ist vom heutigen Standpunkt als unwahrscheinlich einzustufen. Inzwischen werden weitere Folgewirkungen
der Finanzmarktkrise sichtbar: Einige US-Bundesstaaten haben massive Probleme
bei der Refinanzierung, so dass die Arbeitsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung in einigen Bundesstaaten
gefährdet ist. Schlimmstenfalls müsste die öffentliche Verwaltung sogar geschlossen
werden. Konjunkturdaten spielen in diesem Umfeld überhaupt keine Rolle.
Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Panik an den Aktienmärkten und dem Treffen der G7
in Washington. Die G7-Vertreter werden sich auf die Suche nach dem Stein der Weisen begeben
müssen. Sie werden wahrscheinlich weitere konzertierte Maßnahmen beschließen, um den Interbankenmarkt
wieder in Tritt zu bekommen. Vielleicht können sie sich ja auf ein gemeinsames
und einheitliches Vorgehen einigen. Außerdem wird es weiterhin eine Rolle spielen, dass in den
nächsten Wochen und Monaten zusätzliche Treasuryvolumina auf den Markt kommen. Insgesamt
erwarten wir heute jedoch, dass die Flucht in Qualität die Oberhand gewinnt, so dass sich
die 10jährige T-Notes etwas freundlicher zwischen 3,60 und 3,76% zeigen sollten.
In Europa schnürt derzeit jedes Land sein eigenes Paket zu Bekämpfung der Finanzmarktkrise.
Ein einheitlicheres Vorgehen wäre wünschenswerter. Vielleicht kommt es ja genau dazu auf dem
G7-Gipfel. Leitzinssenkungen, wie sie erneut angedeutet wurden, sind nicht das richtige Mittel.
Vielmehr sollte die Notenbank die Opportunitätskosten der Geldhortung durch Banken verteuern.
Vielleicht bewegt die Notenbank die Geschäftsbanken auf diesem Weg dazu, sich doch untereinander
wieder Geld zu leihen. Dass die Finanzmarktkrise spürbare Auswirkungen auf die Realwirtschaft
hat, ist bspw. an dem schwächelnden deutsche Exporten zu erkennen. Der EZB-Monatsbericht
enthielt keine neuen Informationen. Die Ermahnung an die einzelnen Euroländer,
die Rahmendaten des Stabilitäts- und Wachstumspakt einzuhalten, werden in Anbetracht der
systemischen Krise verhallen. Wenn es die einzelnen europäischen Regierungen für notwendig
erachten, werden sie den Finanzsektor auch auf Kosten zusätzlicher Staatsverschuldung stützen.
Die europäischen Konjunkturdaten werden heute keine Rolle spielen. Ob die beiden europäischen
Notenbanker, die sich heute zu Wort melden, etwas Neues berichten können, darf bezweifelt
werden. Damit steht die Entwicklung der Aktienmärkte im Mittepunkt, was für Fluch in Qualität
und freundliche Notierungen spricht.
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