Rentenmarktkommentar HSH
04. Juli 2008, 10:19
Highlights
EZB nach der Zinserhöhung in Wartestellung, kein weiterer Zinsschritt avisiert
Feiertagsbedingt heute kein Anleihehandel in den USA
Erwartete Tagestendenz: behauptet
Datenveröffentlichungen heute
USA
Wegen des Nationalfeiertages heute keine neuen Daten
Eurozone
08:45 Uhr Budgetdefizit Frankreich Mai (Vormonat: -45.0 Mrd. EUR)
12:00 Uhr Auftragseingänge Industrie Deutschland Mai (e: +0.6% M/M / 2,0% J/J;
nach -1.8% / +4% im Vormonat)
EZB-Rednder: Liebscher
Markttechnik
Mit der gestrigen kräftigen Kurserholung hat der Bund-Future mit einem bullish engulfing
pattern in Richtung oberes Ende der Trading Range von 109,65 bis 111,50 vorgearbeitet.
Ein Überwinden des Highs vom 27. Juni (111,54) eröffnet etwa 20 Ticks
Potenzial. Im längerfristigen Chartblick ist die gestrige Erholung aber noch nicht mehr
als eine Gegenbewegung im Abwärtstrend. Die Abwärtstrendlinie verläuft heute bei
111,94.
Der MACD-Indikator liegt hat wieder zugelegt und liegt weiter mit deutlichem Abstand
zur Nulllinie im Plus.
Der 14-Tage-RSI liegt jetzt mitten im neutralen Bereich.
Marktkommentar
Die erwartet schlechten Juni-Arbeitsmarktzahlen und der auf deutlich unter 50 Punkte eingebrochene
ISM-Index für den Dienstleistungssektor bestärkten die Anleger gestern in ihren
Erwartungen, dass die Fed wegen der gegenwärtigen Konjunkturflaute kaum Spielraum
hat, dieses Jahr noch die Leitzinsen zu erhöhen. Mit ihrem dualen Mandat, ein Maximum
an Beschäftigung zu unterstützen und dabei zugleich die Inflation unter Kontrolle zu halten,
steckt die Fed schon seit längerem in der Zwickmühle: Inflationsbedingt müsste sie die
Leitzinsen deutlich anheben, doch Zinserhöhungen würden die US-Wirtschaft wohl in die
Rezession schicken. Quasi zur Untätigkeit verdammt können Bernanke & Co. nur zuschauen,
wie sich eine Stagflation entfaltet. Die Anleger reagieren in einem solchen, noch
länger anhaltenden Stagflationsumfeld mit steigenden Inflationserwartungen und fordern
zumindest bei länger laufenden Anleihen eine entsprechend erhöhte Risikoprämie. Das ist
bereits seit längerem an steigenden TIPS-Renditen zu sehen. Die stark von den Leitzinsen
und Leitzinserwartungen getriebenen Kurzläufer bleiben ob des stabilen Leitzinsausblicks
hingegen gut nachgefragt. Unter dem Strich führt Stagflation damit zu einer Versteilerung
der Zinsstrukturkurve. So strahlten die gestrigen schwachen Konjunkturdaten nur noch auf
das kurze Ende positiv aus, während Langläufer mit Kursverlusten ins lange Wochenende
gingen. Heute findet in den USA feiertagsbedingt kein Staatsanleihehandel statt.
Dominierendes Ereignis am europäischen Staatsanleihemarkt war gestern naturgemäß die
Leitzinsanhebung der EZB. Die Ratsmitglieder beschlossen einstimmig die schon Anfang
Juni angekündigte Anhebung um 25 bp. In der nachfolgenden Pressekonferenz schlug Notenbankchef
Trichet jedoch überraschend moderate Töne an und machte deutlich, dass die
EZB-Ratsmitglieder diesen einen Zinsschritt für angemessen erachten, um die Inflation
wieder unter Kontrolle zu bekommen. Man habe jetzt keinen „bias“ mehr. Dass der EZB-Rat
von einer Sitzung zur nächsten trotz gestiegener Inflationsdynamik verbal so stark zurückrudert,
lässt darauf schließen, dass man sich jetzt wohl ernstere Sorgen um die Konjunkturentwicklung
im Euroraum macht. Am Anleihemarkt zerplatzen daraufhin die Erwartungen,
wonach im Herbst noch ein weiterer Zinsschritt anstünde. Kursgewinne in allen
Laufzeiten waren die Folge, wobei der Renditerutsch am kurzen Ende mit 19 bp fast doppelt
so stark ausfiel wie bei den 10jährigen Titeln.
Zum Wochenausklang haben die Anleger heute viel Zeit zur Nachlese des Meinungsschwenks
der EZB, denn in den USA ist heute feiertagsbedingt handelsfrei, und auch von
den wenigen heimischen Konjunkturdaten sind kaum Impulse auf die Kursentwicklung zu
erwarten. So dürften die Aktienmarkttendenz und der auf gut 145 Dollar je Barrel gestiegene
Ölpreis heute den Anleihehandel etwas bewegen können. Insgesamt hat die Nervosität
aber erheblich nachgelassen, und so erwarten wir für den Bund-Future bei nur geringen
Umsätzen eine behauptete Tagestendenz.
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