16. Oktober 2009, 12:46
Auch wir gehen davon aus, dass eine Kurvenverflachung mittelfristig sowohl in einem
bearishen wie einem bullischen Umfeld funktionieren sollte. Allerdings bezweifeln wir,
dass die jüngste Verflachung der Renditestrukturkurve bereits den Anfang eines
massiven Trends markiert. Wir würden deshalb aufgrund der viel flacheren Terminkurve
mit einer entsprechenden Positionierung noch warten.
Die Renditestrukturkurve an vielen Atlantischen Bondmärkten hat sich in den letzten Wochen
deutlich abgeflacht. Viele Analysten haben bereits die „große Verflachung“ ausgerufen, welche
sowohl in einem rentenmarktfreundlichen wie -unfreundlichen Umfeld eintreten sollte. In der
Regel lauten die Argumente dafür wie folgt: Entweder es gibt keine, wie von uns prognostizierte
Wachstumserholung, weil die Auswirkungen der Krise die Industrieländer in einem Umfeld á la
Japan (niedriges Wachstum, deflationäres Umfeld und extrem niedrige Renditen) gefangen
halten. In einem solchen Umfeld würden die Zentralbank-Zinssätze „für immer“ niedrig bleiben.
Da die kurzfristigen Zinsen schon quasi bei null liegen, gingen in diesem Szenario die Impulse
für die Renditekurve vom langen Ende aus, es käme zu einer bullishen Verflachung der Kurve
über niedrigere langfristige Zinsen.
Im Alternativszenario von Zinserhöhungen, das unserer Prognose zugrundeliegt, ändert sich
nicht nur die Form der Kurve, sondern auch deren Verhalten. Nicht mehr das lange Ende
bestimmt den Kurvenverlauf, sondern es bildet sich ein normaleres Muster einer bearishen
Verflachung heraus, bei dem die Renditen am kurzen Ende stärker zulegen als diejenigen am
langen Ende.
Im Prinzip teilen wir die Argumente für eine mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwartenden
Verflachung der Kurve, weshalb auch unsere Prognosen eine deutlich flachere Kurve beinhaltet.
Allerdings rechnen wir hiermit erst im kommenden Jahr. Zudem gibt es aktuell bei einer
Umsetzung dieser mittelfristigen Sichtweise unseres Erachtens einen Haken, der für die
Positionierung extrem wichtig ist. Weil die Forwards bereits einen Großteil der Verflachung
einpreisen, ist der Carry dieser Trades extrem negativ. Das heißt nicht, dass wir
Flattener nicht für aussichtsreich halten, doch der richtige Zeitpunkt der Investition ist von
ausschlaggebender Bedeutung. Und dieser ist unseres Erachtens noch nicht gekommen.
Unsere seit langem gültige Versteilerungsempfehlung hat uns in den letzten Monaten gute
Dienste geleistet, da selbst die jüngste Verflachung die Forwards nicht schlagen konnte. Weil
der Abwärtsdruck auf die kurzfristigen Zinsen in der Eurozone vorerst weiter anhalten sollte,
bevorzugen wir auf der Euro-Kurve zumindest auf kurze Sicht Engagements, die auf eine
neutrale bis steilere Kurve setzen.
|