Rückgang des Ölpreises schon zu Ende? Coba
22. August 2008, 10:07
Der deutliche Rückgang des Ölpreises in den vergangenen Wochen hat uns in der
Meinung bestätigt, dass die letzte Phase der Ölhausse bis knapp 150 USD je Barrel
eine spekulative Übertreibung war. Zwar könnte der Ölpreis kurzzeitig wieder bis auf
130 USD steigen. Aber nach dieser möglichen Gegenbewegung dürfte er in den
kommenden Monaten unter 100 USD je Barrel fallen. Zwischen 80 und 100 USD sollte
sich der Ölpreis stabilisieren.
Mitte Juli erreichte der Ölpreis ein Rekordhoch von knapp 150 USD je Barrel. Der letzte
Anstieg um rund 50 USD seit Anfang des Jahres ging aus unserer Sicht in erster Linie auf
das Konto von Finanzinvestoren. Diese haben Rohstoff-Investments als Schutz gegen fallende
Aktien- und Rentenmärkte, geopolitische Risiken und einen schwächeren US-Dollar
eingesetzt. Zudem ergab sich hierdurch die Möglichkeit, vom kräftigen Wachstum in den
Schwellenländern zu profitieren. Die massiven Zuflüsse durch Finanzanleger haben den
Anstieg des Ölpreises noch einmal verstärkt, sein Verlauf wies immer mehr Ähnlichkeiten
mit demjenigen der Nasdaq im Jahr 2000 auf.
Abschwächung der Öl-Nachfrage und Abkehr der Finanzinvestoren
Dabei hat sich der Preis immer mehr von einem fundamental gerechtfertigten Niveau entfernt.
Und dies ging-wie nicht anders zu erwarten-nicht spurlos an Angebot und Nachfrage
vorüber. So hat die OPEC ihre Produktion zuletzt deutlich ausgeweitet. Gleichzeitig
bremst der deutliche Preisanstieg - zusammen mit der Abkühlung der Konjunktur - den
weltweiten Energieverbrauch. Aktuell erwartet die IEA eine Zunahme der weltweiten täglichen
Ölnachfrage in diesem Jahr um 800 Tsd. Barrel. Anfang des Jahres hatte sie noch
einen Anstieg um 2 Mio. Barrel pro Tag prognostiziert.
Für diese Entwicklung sind vor allem die OECD-Länder verantwortlich, welche trotz eines
immensen Nachfragewachstums der Schwellenländer in den letzten Jahren noch immer
rund 60% der weltweiten Ölnachfrage stellen und deren Ölverbrauch in diesem Jahr laut
IEA um 600 Tsd. Barrel pro Tag zurückgehen soll. Besonders ausgeprägt ist die Nachfrageschwäche
in den USA. So haben die US-Amerikaner im 1. Halbjahr 2008 mit dem Auto fast
70 Mrd. Kilometer weniger zurückgelegt als noch im Vorjahr. Das US-Energieministerium
berichtete Mitte August, dass der Ölverbrauch im selben Zeitraum im
Vergleich zum Vorjahr um 800.000 Barrel pro Tag zurückging. Auch in Europa und Japan
waren zuletzt Rückgänge zu verzeichnen. Lange Zeit wurde dieser Entwicklung keine Beachtung
geschenkt. Als die spürbare Reaktion der Nachfrageseite aber mehr und mehr in
den Fokus rückte, hat die überfällige Korrektur noch dadurch an Fahrt gewonnen, dass die
Finanzinvestoren massiv Geld aus den Rohstoff-Investments abzogen.
Korrektur setzt sich unter Schwankungen fort, …
Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Öl-Nachfrage schon bald wieder beleben
wird. In den Industrieländern dürfte der Schock über die vorübergehend extrem hohen
Preise nachwirken und zu weiteren Einsparanstrengungen führen. Verstärkt wird dieser
Effekt noch durch die schwache Konjunktur.
Zudem dürfte die Nachfrage in Asien mehr und mehr auf die-trotz der jüngsten Korrektur
- immer noch spürbare Verteuerung von Öl reagieren. Dabei wird China, dessen starke
Nachfrage lange Zeit die Triebfeder für die Hausse an den Rohstoffmärkten war, eine
Schlüsselrolle zukommen. Die im ersten Halbjahr robuste Öl-Nachfrage aus China ergab
sich unseres Erachtens vor allem dadurch, dass die Lagerbestände vor den Olympischen
Spielen aufgestockt wurden und der Kraftstoffverbrauch stark subventioniert wurde.
Inzwischen wurden in China-wie in vielen anderen asiatischen Ländern-Anfang Juli die
Subventionierung von Kraftstoff verringert und die Kraftstoffpreise um rund 20% erhöht.
Weitere Preisanpassungen dürften nach dem Ende der Olympischen Spiele folgen, um den
Kraftstoffverbrauch einzudämmen. Daher rechnen wir damit, dass die Nachfrage aus China
bzw. allgemein aus Asien in den kommenden Monaten weniger stark zunehmen wird. Dies
würde ein wichtiges Argument der Öl-Bullen zumindest vorerst erschüttern und könnte
dafür sorgen, dass sich die Stimmung am Ölmarkt weiter eintrübt.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Ölpreis innerhalb kurzer Zeit über 20% an Wert verliert.
Weil die vorherige Übertreibung besonders ausgeprägt war, dürfte die Korrektur
dieses Mal heftiger ausfallen und mit 6 bis 12 Monaten relativ lange anhalten. Daher könnte
der Ölpreis das fundamental gerechtfertigte Niveau, welches wir zwischen 80 und 100
USD je Barrel sehen, unterschießen. Aber auf die mittlere Sicht werden vor allem die zuletzt
stark gestiegenen Produktions- und Transportkosten, eine zu erwartende Reaktion der
OPEC sowie die geopolitischen Risiken einen noch stärkeren Verfall verhindern.
In den kommenden Wochen halten wir sogar eine Zwischenerholung für wahrscheinlich,
weil der Mark derzeit stark überverkauft ist. Mögliche Auslöser für eine solche Bewegung,
bei der der Ölpreis auf 120 bis 130 USD steigen könnte, sind eine Produktionskürzung der
OPEC, eine Eskalation des Konflikts in Georgien bzw. des Atomstreits mit dem Iran oder
ein großer Hurrikan im Golf von Mexiko.
… aber langfristig wieder höhere Preise zu erwarten
Auch wenn der Trend beim Ölpreis in den kommenden Monaten weiter nach unten zeigen
wird: Dies ändert nichts an unserer langfristig positiven Haltung. Der Aufholprozess in den
Schwellenländern ist noch lange nicht abgeschlossen. So beträgt der tägliche Rohölverbrauch
pro Kopf in China weniger als 1 Liter, während er in den USA bei rund 11 Liter
Rohöl pro Kopf liegt. Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Ölnachfrage in den
Schwellenländern langfristig massiv zunehmen und einen Ölpreisanstieg unterstützen wird.
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