Marktkommentar Renten Helaba
13. Oktober 2008, 10:43
Milliardenschwere Rettungspakete der Bundesregierung auf Empfehlung der Staats- und Regierungschefs der EU- Länder und Großbritanniens sollen helfen, das Vertrauen an den internationalen Finanzmärkten wieder herzustellen. Ob Staatsgarantien für Kredite im Interbankenmarkt, Eigenkapitalhilfen und lockere Bilanzierungsregeln die Märkte tatsächlich beruhigen, muss sich erst noch zeigen. Nach den schweren Kursverlusten der vergangenen Woche dürften sich Aktien zunächst einmal erholen. Die Kurs internationaler Staatsanleihen standen am Freitag mit Ausnahme ganz kurzer Fälligkeiten erheblich unter Druck. Markteilnehmer befürchten, dass die beschlossenen Maßnahmen zum Grossteil über den Kapitalmarkt finanziert werden müssen. Der Bund- Future (114.67) schloss 168 Stellenschwächer, Bobl (110.40) und Schatz (105.04) gingen 75 bzw. 16 Ticks tiefer aus dem Markt. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe stieg auf 4.08 %, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen weitete sich auf 96 BP aus. 10-jährige US- Treasuries rentieren 11 BP höher bei 3.87 %, der JGB- Future (137.38) notiert 18 Ticks höher. Der Euro gibt auf 1.35 USD nach, der Preis für das Barrel Öl fällt auf knapp 80 Dollar.
Wie geht es an den Finanzmärkten weiter? Die Analyse des Maßnahmenkatalogs wird zum Wochenauftakt die Investoren beschäftigen und Wirtschaftsdaten in den Hintergrund drängen. Dennoch sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass sich das Konjunkturbild weiter eintrübt und Rezessionsängste wachsen. Die ZEW- Umfrage am Dienstag dürfte dies nachhaltig belegen, Verbraucherpreise für September aus Spanien, Italien, Deutschland und der Eurozone werden zudem nachlassenden Inflationsdruck signalisieren. Dagegen haben Produktionszahlen positiv überrascht und sollten auch zu einer soliden Zahl in der Eurozone beitragen. In Amerika richtet sich das Augenmerk auf Erzeuger- und Konsumentenpreise sowie Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion. Die Stimmungsindikatoren Empire State und Philly- Fed- Index sollten der jüngsten Entwicklung an den Finanzmärkten Tribut zollen. Am Primärmarkt werden in dieser Woche europäische Staatsanleihen im Volumen von 10-12 Mrd. Euro versteigert. Italien und Frankreich stocken Titel mit Schwerpunkt im kurzen und mittleren Laufzeitsegment auf, Spanien begibt 1.5 Mrd. Euro mit Laufzeit Juli 2040. Kuponzahlungen belaufen sich auf 3.5 Mrd. Euro, sodass dem Markt 6.5-8.5 Mrd. Liquidität entzogen werden.
Technik: Der Bund- Future tendiert nach einem letzten Aufbäumen und einem Tageshoch bei 116.79 sehr schwach, durchbrach alle markanten Unterstützungen und schloss (114.67) 168 Stellen unter Vortagsniveau. Die Indikatoren auf Tagesbasis sind eindeutig nach Süden gerichtet, kurzfristig ist das überverkaufte Niveau jedoch gut für eine Gegenbewegung. Widerstände liegen bei 114.67 (Schluss 10.10.), 114.80 und 114.99 (Fibonacci von 115.78 bis 114.20). erst über 115.18 (61.8 %) hellt sich das Bild wieder auf. Wird dagegen die Unterstützungszone zwischen 114.07 (Wochentrend) und 114.03 (Tagestrend) unterschritten, muss mit einem weiteren Rückgang bis zum Ausgangspunkt des jüngsten Aufwärtsimpulses bei 112.91 gerechnet werden. Dazwischen liegen Stops bei 113.82 (Tief v. 29.09.), 113.50 (26.09.) und 113.21 (23.09.).
|