Marktkommentar Devisen Helaba
13. Oktober 2008, 10:44
Lohnt der Blick auf Konjunkturdaten in diesen Tagen? Wir meinen schon, denn letztlich würde ein Einbruch der Realwirtschaft einen „Zweitrundeneffekt“ der Finanzkrise auslösen, da die steigenden Ausfallrisiken bei Unternehmens- und Konsumentenkrediten weitere Belastungen für den Finanzsektor mit sich bringen können, womit die Sorgen um eine Kreditverknappung weiter zunehmen würden. Leider werden die Daten der Woche unseres Erachtens kaum zur Glättung der Sorgenfalten beitragen.
In den USA steht der Einzelhandelsumsatz im Zentrum der Aufmerksamkeit, hat doch der private Konsum in den USA mit rund 70 % den größten Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Die Indikationen für das Konsumverhalten sind negativ. Der Einbruch der Pkw-Absatzzahlen und die sehr schwachen Ergebnisse der Einzelhandelsketten lassen ein deutliches Minus beim Einzelhandelsumsatz erwarten. Gegenüber der Konsensschätzung sehen wir Enttäuschungspotenzial. Auch vonseiten der Stimmungsindikatoren (Uni Michigan, TIPP Optimism) sehen wir keine positiven Impulse. Zwar sinken die Energiekosten, vor allem Benzinpreise sind wichtig für die Konsumentenstimmung, die Zuspitzung der Finanzkrise mit fallenden Aktienkursen sowie der schwache Arbeitsmarkt dürften diese positiven Einflüsse aber überkompensieren. Wenig Optimismus dürften auch die Unternehmensumfragen zeigen. Weitere Rückgänge von Empire-State- und Philly-Fed-Index sollten ins Kalkül gezogen werden. Entspannungssignale gibt es dagegen an der Inflationsfront. Der anhaltende Ölpreisverfall-circa 43 % seit dem Hoch im Juli bei 147 USD/Fass-hinterließ bereits bei den Importpreisen deutliche Spuren. Entsprechend sehen wir auch bei den Erzeugerpreisen im September einen Rückgang und sehen die Konsensschätzung als realistisch an. Auch auf Verbraucherebene entspannt sich die Lage im Trend. Allerdings könnte der Anstieg der Benzinpreise Mitte September, der inzwischen wieder korrigiert wurde, die Septemberdaten ungünstig beeinflussen. Ein lediglich stagnierendes Preisniveau scheint möglich. Ein günstiger Basiseffekt wird jedoch die Jahrerate drücken, so dass insgesamt kein Grund für Inflationssorgen besteht. In Deutschland wird der ZEW-Saldo der Konjunkturerwartungen vermutlich ein neues Allzeittief (bisher: -63,9) erreichen. Der Absturz der Sentix-Umfrage deutet darauf hin, zumal sich die Krise seit der Sentix-Veröffentlichung noch deutlich verschärft hat. So hat der DAX seit dem 6.Oktober nochmals über 1.200 Punkte abgegeben.
EUR-USD: In den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass der Euro zum US-Dollar ein Krisenverlierer ist, gegenüber Osteuropa aber Stärke zeigt. Immerhin steht EUR-USD nicht zinsseitig unter Druck, da nicht auszuschließende, weitere konzertierte Aktionen auf beiden Seiten zu einer Reduzierung führen würden und die Zinssenkungsfantasie für die Eurozone bereits weit fortgeschritten sind. Technisch hat sich die Lage wenig verändert, obwohl mit 1,3260 ein neues Jahrestief markiert wurde. Positive Divergenzen von RSI und Stochastic könnten Vorboten einer Gegenbewegung sein. Auf eine nachhaltige Trendwende zu setzen, erscheint indes zu früh. Nur eine nachhaltige Beruhigung der Finanzmärkte dürfte den Euro beflügeln. Wochen-Range: 1,3260 - 1,3880.
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