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Börse Stuttgart


13. Oktober 2008, 10:46

Finanzkrise-weltweit starke Kursverluste
Über den letzten Montag werden die Anleger noch sehr lange nachdenken. Der Handel erwischte einen rabenschwarzen Tag. Zeitweise verlor der Dow Jones über 800 Punkte und musste sich schlussendlich im Kampf um die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten geschlagen geben. Die Angst vor einer möglichen weltweiten Rezession löste panikartige Verkäufe aus. Bei Wachovia (WKN: 868326) zeichnete sich eine interessante Wendung ab. Nach dem bereits verkündet wurde, dass Teile des Unternehmens von der Citigroup (WKN: 871904) übernommen werden, gab Wells Fargo (WKN: 857949) ein Angebot zur Komplettübernahme ab. Da die wirtschaftliche Lage bei Wachovia als sehr ernst eingestuft wurde, drängte die US-Notenbank auf eine schnelle Einigung. Es wird gemutmaßt, dass es durch die Aufteilung unter den beiden Bietern zu einem Kompromiss kommt. Alle drei Aktien mussten Kursverluste von drei bis sechs Prozent hinnehmen. Die Übernahmeschlacht um Imclone (WKN: 883074) ist am Montag beendet worden. Als Sieger ging Ely Lilly (WKN: 858560) hervor, die 70 Dollar je Aktie in bar geboten haben und damit Bristol-Myers (WKN: 850501) ausstachen. Die Aktie von Imclone gehörte zu den wenigen Gewinnern.
Am Dienstag gaben die amerikanischen Aktien den fünften Tag in Folge nach. Daran konnte auch der freundliche Handelsbeginn nichts ändern. Als die US-Notenbank sich skeptisch über das Wirtschaftswachstum äußerte, drehte der Markt wieder ins Minus. Das Schlusslicht war ein weiteres Mal der Bankensektor. Die am Vorabend gemeldeten Zahlen der Bank of America (WKN: 858388) enttäuschten die Anleger so sehr, dass die Aktie über 26 Prozent einbrach. Dies riss auch die Aktien von Citigroup zwölf Prozent und JP Morgan (WKN: 850628) zehn Prozent mit in die Tiefe. Unter einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit litten die Anteilsscheine von Ford (WKN: 502391). Am Ende der Börsensitzung verblieb ein Minus von über 20 Prozent. Sehr gespannt war der Markt auf die Quartalszahlen von Alcoa (WKN: 850206), die damit die neue Saison der Quartalberichte eröffneten. Der Kursverlust von über sieben Prozent verhieß aber nichts Gutes.
Am Mittwoch bewahrheitete sich das schlechte Gefühl bei Alcoa. Nachdem ein Gewinneinbruch für das dritte Quartal gemeldet wurde, verlor die Aktie über elf Prozent. Vor der Eröffnung am Mittwoch wurde von mehreren Zentralbanken, unter anderem auch der US-Notenbank, eine außerordentliche Zinssenkung bekannt gegeben. Dadurch wurden kurzfristig die Märkte stimuliert, mussten dann aber das gewonnene Terrain wieder abgeben. Zum Schluss notierte der Dow Jones wieder im Minus. Die Bankenwerte zählten wieder zu den Verlierern. Bank of America verlor sieben Prozent, nach dem ein weiterer Kapitalbedarf gemeldet wurde und bei der notwendigen Kapitalerhöhung Preiszugeständnisse gemacht werden mussten. Ebenfalls unter Druck waren die beiden Autobauer Ford und General Motors (WKN: 850000) nach dem Analysten die Prognose deutlich zurückgenommen hatten.

Trotz der weltweiten Rettungsmaßnahmen der Zentralbanken konnte sich der japanische Aktienmarkt nicht erholen. Nach dem crashartigen Absturz des Nikkei-225-Index am Mittwoch um fast 10 Prozent hatten die Marktteilnehmer zumindest auf eine technische Erholung des Marktes gehofft. Doch auch diese Hoffnung erfüllte sich nicht, da jede Erholungstendenz sofort durch Verkaufsprogramme zunichte gemacht wurde. Der Wochenverlust im japanischen Leitindex beträgt 2.000 Punkte und der Schlussstand am Donnerstag von 9.157 Zählern bedeutet ein 5-Jahres-Tief. Automobilaktien wie Toyota Motor (WKN: 853510), Honda Motor (WKN: 853226) oder Nissan Motor (WKN: 853686) litten zusätzlich zum katastrophalen Marktumfeld noch unter einem sehr festen Yen und verloren in dieser Woche gut 25 Prozent an Wert. Von Sharp Corp. (WKN: 855383) gab es wegen fallender Preise bei LCD-Bildschirmen und enttäuschenden Verkaufszahlen von Mobiltelefonen eine Gewinnwarnung. Die Aktie notiert daraufhin gut 26 Prozent tiefer und einige Analysten gehen davon aus das dies nicht die letzte Gewinnwarnung von Sharp sein wird.

Die weltweite Finanzkrise hat nun auch die isländischen Banken erreicht. Am 07. Oktober wurde die auch in Stuttgart gelistete Kaupthing Bank (WKN: 755093) vom Handel ausgesetzt. Daraufhin gab die isländische Regierung bekannt, dass sie die Kontrolle über die drei größten Banken Islands, die Kaupthing Bank, Landsbanki und Glitnir übernehmen wird. Grund hierfür war die Gefahr eines Kollapses im Banksystem in Island. Wie am Donnerstag bekannt wurde, ist ein Moratorium für die deutsche Niederlassung der Kaupthing Bank vorübergehend verhängt worden. Damit kann nun ein geregelter Geschäftsablauf gesichert werden. Die isländischen Banken sind durch Zukäufe im Ausland über Schulden besonders anfällig für diese Finanzkrise. Den drohenden Staatsbankrott versucht nun die Regierung mit Hilfe eines russischen Darlehens abzuwenden. Verhandlungen über dieses Darlehen sollen kommenden Dienstag beginnen.




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