Finanzkrise: Durchgreifende Maßnahmen auf dem Weg Coba
13. Oktober 2008, 10:47
Nach dem Pariser Gipfeltreffen zeichnen sich im Euroraum
durchgreifende Maßnahmen gegen die Finanzkrise ab. Presseberichten
zufolge wird es auch in Deutschland staatliche Garantien für
Bankverbindlichkeiten und RekapitaIisierungen der Banken durch den
Staat geben. Diese international abgestimmten und umfassenden
Maßnahmen sollten entscheidend helfen, dass die Finanzmärkte wieder
schrittweise Vertrauen fassen.
Die Bundesregierung wird nach Angaben des Finanzministeriums am
heutigen Montag nach einem Kabinettbeschluss Einzelheiten des deutschen
Maßnahmenpakets veröffentlichen. Noch in dieser Woche sollen Bundestag
und Bundesrat das Paket billigen. Presseberichten zufolge könnte es
folgende Punkte enthalten:
1. Rekapitalisierungen: Offenbar plant die Bundesregierung,
öffentlichen und privaten Banken über einen Fonds Eigenkapital zur
Verfügung zu stellen. Sie denkt an vorübergehende Beteiligungen,
nicht an Verstaatlichungen.
2. Garantien für Bankverbindlichkeiten: Um den Interbankenmarkt für
Zentralbankguthaben wieder funktionsfähig zu machen, plant die
Bundesregierung offensichtlich, kurzfristige Verbindlichkeiten von
Banken zu garantieren. In einigen Presseberichten ist auch die Rede
davon, Verbindlichkeiten bis zu fünf Jahren staatlich zu garantieren.
Das Pariser Kommuniqué als Basis nationaler Maßnahmen
Auch das gestern Abend veröffentlichte Kommuniqué des Pariser
Gipfeltreffens der Euro-Länder deutet darauf hin, dass Deutschland und die
anderen europäischen Staaten auf nationaler Ebene umfassende und
tiefgreifende Maßnahmen beschließen werden. Wie schon der G7-Plan vom
Freitag ist
auch das Kommuniqué des Pariser Gipfeltreffens inspiriert von
Großbritannien, das schon in der vergangenen Woche mit entschiedenen
Maßnahmen vorgeprescht war. Die Euro-Länder haben sich gestern Abend
unter anderem auf folgende Punkte geeinigt:
1. Garantien für Bankverbindlichkeiten: Die Regierungen des
Euroraums wollen höherrangige Bankverbindlichkeiten (senior debt)
bis zu einer Laufzeit von fünf Jahren durch verschiedene
Instrumente garantieren, auch der direkte Kauf von
Bankverbindlichkeiten durch die Staaten ist möglich. Diese
Maßnahmen sind bis zum 31. Dezember 2009 befristet.
2. Rekapitalisierungen: Die Regierungen wollen den Banken
zusätzliches Tier-1- Kapital zur Verfügung stellen, etwa durch
Vorzugsaktien.
3. Kein Untergang systemrelevanter Banken:. Die Regierungen wollen
den Ausfall systemrelevanter Banken verhindern. Offenbar soll es
im Euroraum keinen Fall wie Lehman Brothers geben.
4. Bilanzierungsregeln modifizieren: Banken soll erlaubt werden, Aktiva
mit angenommenen Ausfallwahrscheinlichkeiten zu bewerten und
nicht mehr mit Marktpreisen, die in illiquiden Märkten kaum
Aussagekraft hätten. Damit gehen die Regierungen die
krisenverstärkende Wirkung der sogenannten fair-value-Bilanzierung
an.
Marktwirtschaft auf dem Abstellgleis?
In den letzten Wochen hat das Misstrauen an den Märkten solche Ausmaße
angenommen, dass auch durch und durch gesunde Banken oder
Unternehmen Schwierigkeiten haben, Mittel aufzunehmen. In einer solchen
Ausnahmesituation ist es gerade aus marktwirtschaftlicher Sicht richtig, dass
der Staat zu unorthodoxen Mitteln greift und so das für das Wirtschaften
notwendige Vertrauen wiederherstellt. In diesem Zusammenhang ist es
wichtig, dass die Staaten ihr Handeln aufeinander abgestimmt haben und
nicht mehr nur auf Schieflagen einzelner Institute reagieren, sondern die
Probleme vorausschauend angehen.
Die sich herausschälenden Maßnahmen erinnern an das, was Schweden
Anfang der 90er Jahre getan hatte, um seine Finanzmarktkrise zu
überwinden. Den Schweden war es damals gelungen, das Vertrauen der
Märkte schrittweise wieder herzustellen; am Ende hatte der schwedische
Staat sogar kein nennenswertes Minus gemacht. Auch diesmal sollte das
entschiedene Vorgehen der europäischen Staaten wesentlich dazu
beitragen, dass die Märkte nach und nach Vertrauen fassen. Die asiatischen
Märkte haben heute nacht positiv reagiert.
Rezession vermeidbar?
Wir hatten bereits vor der jüngsten Verschärfung der Finanzmarktkrise für
den Euroraum eine Rezession prognostiziert. Schließlich sinken in vielen
Euroländern die Häuserpreise, was den Konsum und die Bautätigkeit
belastet. Außerdem befindet sich mit den USA die größte Volkswirtschaft
der Welt bereits in der Rezession, das dämpft die Exporte des Euroraums.
Aber die sich nun abzeichnenden Maßnahmen der europäischen
Regierungen sprechen dafür, dass es bei einer „normalen“ Rezession
bleiben sollte und die Euro-Wirtschaft nicht wie Japan in den 90er Jahren in
eine langjährige Depression abgleitet.
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