02. Juli 2009, 17:31
Nach ihrer heutigen Sitzung hat die EZB signalisiert, dass sie den Leitzins noch lange
bei nur 1,0% belassen wird. Vermutlich wird sie das für September anstehende
einjährige Refinanzierungsgeschäft zu nur 1,0% ausschreiben. Gegen höhere Leitzinsen
sprechen die Rezession und sinkende Kerninflationsraten. Das Hauptargument gegen
niedrige Zinsen sind die zuletzt deutlich gestiegenen Frühindikatoren.
Die EZB dürfte ihren Leitzins bis weit in das kommende Jahr bei 1,0% belassen und ihn nicht
früh erhöhen: 1. Die EZB hat ihr Kommuniqué kaum verändert und den Leitzins von 1,0% weiterhin als
„angemessen“ bezeichnet. 2. Vor kurzem hat die EZB zum ersten Mal ein Refinanzierungsgeschäft für zwölf Monate
abgeschlossen. Weil die Banken für die geliehenen Mittel einen Zins von nur 1,0% zahlen
mussten, haben sie sich mit einem Rekordbetrag von 442 Mrd. Euro eingedeckt. Kaum eine
Bank hat noch Bedarf an Zentralbankgeld, weshalb das Handelsvolumen am
Interbankenmarkt für Tagesgeld sehr niedrig ist. Trotzdem ist die EZB „glücklich“
über das Resultat des einjährigen Refinanzierungsgeschäfts. Vermutlich wird sie den für
September anstehenden, zweiten Einjahrestender nicht mit einem Zinsaufschlag versehen,
sondern die Mittel weiter zu 1,0% anbieten. Denn sie möchte vermeiden, dass dies als ein
Signal für einen höheren Hauptrefinanzierungssatz missverstanden wird. Wahrscheinlicher als
ein Zinsaufschlag ist, dass sie das Volumen des Geschäfts beschränkt. 3. Die Kerninflation (Inflation ohne Energie, Nahrungsmittel, Tabak) ist bereits auf 1,5%
gefallen. Der rezessionsbedingte Rückgang der Lohnsteigerungsraten wird die Kerninflation im
kommenden Jahr wohl auf unter 1,0% drücken. Das stärkt die Position derer im EZB-Rat, die
die Leitzinsen lange bei 1,0% belassen wollen. 4. Irgendwann wird die Krise abgeklungen sein und die EZB müsste die reichlich gewährte
Liquidität wieder einsammeln. Aber diesem Thema hat die EZB im Kommuniqué nur einen
Satz gewidmet. Auch dies spricht gegen eine frühe Leitzinserhöhung. Es gibt allerdings auch ein starkes Argument gegen niedrige Leitzinsen: Alle auf Umfragen
basierenden Konjunkturindikatoren weisen mittlerweile nach oben, vermutlich dürfte die Euro-
Wirtschaft im Herbst aufhören zu schrumpfen. Der nachlassende Konjunkturstress schwächt
die Position derjenigen im EZB-Rat, die für noch niedrigere Leitzinsen plädieren.
|