Devisenmarktkommentar HSH
13. Oktober 2008, 13:37
Das G7-Treffen hat keine neuen umwälzenden Ergebnisse gezeigt. Grundsätzlich ist die
Bereitschaft gezeigt worden, dass man bereit ist, drastische Maßnahmen zur Stabilisierung
der Lage zu ergreifen. Die meisten Details sind erst ab heute zu erwarten. Alles,
was zur Beruhigung der Finanzmarktkrise beiträgt, dürfte den USD derzeit schwächen.
Denn die Aufwärtsbewegung beim USD, die in den vergangenen Wochen zu sehen war,
ist ein Ergebnis des „Deleveraging“-Prozesses. US-Investoren lösen Vermögenspositionen
im Ausland auf, um Verluste im Inland zu kompensieren; und Investoren außerhalb
der USA, die sich in USD verschuldet haben, kaufen USD, da sie die USD-Kredite nicht
verlängert bekommen. Dieser Prozess wird sich abschwächen, wenn es den Regierungen
gelingt, die Funding-Situation der Banken etwa durch Staatsgarantien zu verbessern.
Je dataillierter die im Laufe der Woche vorzustellenden nationalen Pläne zur Bekämpfung
der Krise sind, desto positiver ist dies aller Voraussicht für den EUR. Positiv
für den EUR ist in diesem Zusammenhang auch, dass die EZB den Banken nunmehr
unbegrenzt Dollar-Liquidität zur Verfügung stellen will. Dafür werden die Swap-Linien mit
der Fed entsprechend erhöht.
Heute ist Columbus-Tag in den USA. Es sind weitere Meldungen von der Tagung der
Weltbank und des IWF zu erwarten. Der IWF Chef Strauss-Kahn hatte gestern gesagt,
dass die angespannte Kreditsituation noch bis in das Jahr 2009 hinein andauern wird. Im
Übrigen wurde vereinbart, dass es nicht zu einem weiteren Lehman-Fall kommen darf.
Derweil hat die britische Regierung, die schon in der vergangenen Woche ein umfassendes
und unseres Erachtens gut durchdachtes Rettungspaket geschnürt hat, offensichtlich
konkrete Schritte zur Rekapitalisierung britischer Banken unternommen. So ist
die Rede von einer Kapitalinjektion von 45 Mrd. GBP, durch die die Regierung die Mehrheit
an RBS und HBOS übernehmen könnte. Beherztes Eingreifen dürfte von den Devisenmarktteilnehmern
belohnt werden und das GBP ggü. dem EUR stärken.
Die staatlichen Rettungspakete könnten auch die Aufwärtsbewegung beim JPY stoppen,
da die Abwicklung von Carry-Trades dadurch an Dynamik verlieren sollte. Gewisse
Bremsspuren waren schon in den letzten Tagen auszumachen. Gerade in den letzten
Stunden hat der JPY recht deutlich abgewertet. Spiegelbildlich zum JPY könnte die Abwertung des AUD, einer bisher wichtigen Carry-
Trade Währung, gebremst werden. Auch in Australien wird dem Bankensektor verstärkt
unter die Arme gegriffen, in dem etwa die Einlagen dort garantiert wurden. Die isländische Regierung sah sich in den letzten Tagen gezwungen, drei Banken
(Kaupting, Glitnir, Landsbanki) zu verstaatlichen. Die Probleme sind damit jedoch nicht
gelöst. Vielmehr droht jetzt ein Staatsbankrott. Der IWF ist seit einigen Tagen im Land
und könnte in der Tat durch einen Milliardenkredit zur Beruhigung der Situation beitragen.
Diskutiert wird auch ein Beitritt zum EUR. Diesen halten wir kurzfristig jedoch nicht
für realistisch.
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