Devisenmarktkommentar HSH
10. Oktober 2008, 10:24
Wen interessieren schon Leitzinssenkungen? G7-Treffen oder: auf der Suche nach dem Stein der Weisen Risikoaversion bleibt
Der EUR präsentierte sich gegenüber dem USD schwach. Dafür könnten zum
einen die rückläufigen Rohstoffpreise mitverantwortlich sein, vor allem der Ölpreis
ging aufgrund der eingetrübten Wachstumsaussichten zurück. Zum anderen
könnte es die eine oder andere Repatriierung von Vermögen zurück in die
USA gegeben haben.
Zwischenzeitlich schwächte sich der JPY gegen USD etwas ab. Es sah danach
aus, als ob die Risikobereitschaft nach den Leitzinssenkungen durch die führenden
Notenbanken etwas zunehmen könnte. Die massiven Kursverluste an
den Aktienmärkten sorgten jedoch schnell wieder dafür, dass carry trades aufgelöst
wurden, was den JPY zu Gute kam und zu seiner deutlichen Aufwertung
sowohl gegen USD als auch gegen EUR führte. Solange sich die Situation auf
den Finanzmärkten nicht wieder verbessert, also bspw. der Interbankenmarkt
wieder anspringt, wird der JPY tendenziell zur Stärke neigen. Die Entscheidung
der BoJ, die Leitzinsen unverändert zu lassen, hatte keinen Einfluss auf das
Marktgeschehen. Vielmehr werden sich heute die Blicke Richtung Washington
richten. Dort machen sich führende Politiken und Notenbankchefs der G7 auf
die Suche nach dem Stein der Weisen. Es ist zu Hoffen, dass sie sich auf ein
gemeinsames und koordiniertes Vorgehen einigen können, das einen ganzen
Maßnahmenkatalog umfasst, der in mehreren Stufen abgespult werden kann,
so dass der Interbankenmarkt wieder in Gang kommt. Vielleicht hilft es ja, wenn
sich alle Teilnehmer zumindest für Teilverstaatlichungen der Banken aussprechen
und die Notenbanken explizit den Auftrag erhalten, den Interbankenmarkt
zu ersetzen. Solche Beschlüsse könnten die Risikoaversion abnehmen lassen
und den JPY unter Druck bringen.
Der CHF profitiert derzeit von seiner Stellung als safe haven-Währung, so dass
er gerade gegen EUR deutlich zulegen konnte. Das GBP bleibt massiv unter Druck. Die Marktakteure spielen auf weitere Zinssenkungen
durch die BoE, weil sich die konjunkturellen Perspektiven alles Andere
als rosig darstellen. UK fällt auch im Vergleich zu Kontinentaleuropa hinsichtlich
Wachstumserwartungen ab. Größter Verlierer war die ISK. Die Finanzkrise spitzt sich in Island immer weiter
zu. Scheinbar wird ein default Islands nicht mehr ausgeschlossen, zumal es
über die Kreditlinie, die von Russland zur Verfügung gestellt werden soll, nichts
Neues gibt.
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