Börsenkommentar BB Bank
23. April 2003, 14:16
Aktueller Trend in Deutschland/Europa: Günstig bewertete Titel kaufen.
Lange Zeit tendierten die Aktienkurse der deutschen Standardwerte schwach. Am Nachmittag tauchten in den USA vermehrt sehr positive Quartalszahlen auf. Dies verlieh dem Geschehen neuen Schwung. Anleger kauften Aktien, da sie auf einen bevorstehenden Wirtschaftsaufschwung hofften. Der Dax-Index kletterte um 2,11 % auf 2.960,96 Punkte.
Der Halbleiterkonzern Infineon teilte am Morgen sein Quartalsergebnis mit. Im ersten Quartal war der Jahresverlust von 108 auf 328 Mio. Euro angewachsen. Beobachter hatte mit einem Wert von 126 Mio. Euro gerechnet. Zudem hielt sich der Halbleiterproduzent mit einer Prognose zurück. Lange Zeit notierte der Wert deswegen im Minus. Der Abschlag betrug zeitweise bis zu 5 %. Gegen Abend zog die Notierung auf Grund des freundlichen Gesamtmarktes jedoch wieder an. Der Aktienkurs erholte sich und veränderte sich insgesamt kaum. Er legte leicht um 0,1 % auf 7,38 Euro zu.
Die Deutsche Bank steigerte sich um 1,7 % auf 46,90 Euro. Die Bank will mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau zusammenarbeiten. Beide Institute wollen Kredite bündeln und sie als Asset Backed Securities (ASB) am Markt verkaufen. Durch die Maßnahmen können die Banken ihre Bilanzrisiken verringern.
Tagesverlierer war die Allianz. Der Wert fiel um 1,37 % auf 58,15 Euro. In den letzten Tagen hatten sich die Versicherungswerte besser als der Gesamtmarkt entwickelt. Beobachter urteilten deshalb, dass die Allianzaktie mittlerweile zu hoch bewertet sei.
Aktueller Trend TecDax: Günstig bewertete, solide Werte kaufen.
Das deutsche Technologiesegment wurde durch die guten Unternehmenszahlen aus den USA beflügelt. Anleger hofften zudem, dass sich die Konjunktur nach dem Ende des Irakkrieges wieder erholen werde. Der TecDax verbesserte sich um 1,9 % auf 380,99 Zähler. Allerdings blieben die Umsätze dünn. Die Kursausschläge waren deshalb nicht sehr aussagekräftig.
Das Halbleiterunternehmen Aixtron setzte seinen Aufwärtstrend fort. Die Aktie stieg um rund 9 % auf 3,30 Euro. Händler berichteten, dass zwei bis drei größere Adressen das Papier gekauft hätten. Dies habe ausgereicht, den Kurs deutlich nach oben zu treiben. Am Vortag hatte die Berenberg Bank ihre Empfehlung bestätigt, die Aktie zu kaufen. Möglicherweise hatte diese Nachricht das Kaufinteresse ausgelöst.
Der Windparkbetreiber Nordex gewann 5,7 % auf 1,12 Euro hinzu. Das Unternehmen hatte einen neuen Vorstandsvorsitzenden berufen. Investoren hofften, dass der neue Mann die Probleme des Unternehmens lösen könne. Darüber hinaus gingen sie davon aus, dass die Windbranche ihr Tief durchschritten haben könnte.
Aktueller Trend in USA: Günstig bewertete Titel kaufen.
An der Wall Street berichteten zahlreiche Unternehmen von einem erfreulichen Geschäftsverlauf im ersten Quartal. Börsianer zeigten sich mit den Ergebnissen zufrieden. Die Unternehmen hätten in den letzten Monaten die Kosten deutlich gesenkt. Deswegen überträfen viele Firmen trotz der bescheidenen Nachfrage mit ihren Gewinnen die Markterwartungen. Der Dow-Jones-Index steigerte sich um 1,9 % auf 8.484,99 Stellen.
Der Rüstungskonzern Lockheed Martin verteuerte sich um 7,3 % auf 48,55 US-Dollar. Das Unternehmen hatte unerwartet seinen Quartalsgewinn verbessert.
Das Versicherungsunternehmen Everest Re Group hatte ebenfalls erfreuliche Unternehmenszahlen veröffentlicht. Der Gewinn im ersten Quartal war stark angestiegen. Zudem gab der Rückversicherer für das laufende und das kommende Geschäftsjahr einen besseren Geschäftsausblick. Der Titel erhöhte sich um 16,7 % auf 71,70 US-Dollar.
Der Pharmakonzern Merck & Co. legte um 3,4 % auf 58,69 US-Dollar zu. Das Unternehmen plant, seine Geschäftssparte Medco Health Solutions auszugliedern. Dies wird die Ergebnistransparenz verbessern.
Am Rentenmarkt fielen die richtungsweisenden Staatsanleihen mit dreißig Jahren Laufzeit um 3/32 auf 107 1/32. Die Rendite betrug damit 4,91 %.
Aktueller Trend in Asien/Japan: Untergewichten.
Die japanischen Aktienkurse wurden durch die freundlichen Geschäftszahlen zahlreicher US-Unternehmen ebenfalls beflügelt. Beobachter urteilten, dass die Gewinnsituation der Unternehmen und die Verfassung der Wirtschaft nicht so schlecht wie angenommen sei. Allerdings begrenzte der Kurssturz des Indexschwergewichts Sony die Gewinne. Anleger befürchteten, dass die Geschäftszahlen, die der Elektronikkonzern Sony morgen vorlegen wird, enttäuschen werden. Der Nikkei-225-Index schob sich um knappe 0,04 % auf 7.793,38 Punkte nach oben.
Sony, der weltweit zweitgrößte Produzent von Unterhaltungselektronik, verbilligte sich um 2,4 % auf 3.700 Yen. Das Unternehmen wird morgen seine Quartalszahlen vorlegen. Der Markt erwartet, dass das Unternehmen einen Quartalsverlust von 39 Mrd. Yen erzielt hat. Der Umsatz könnte um 5,5 % auf 1,78 Bio. Yen gefallen sein.
Seiyu brach um 5,7 % auf 283 Yen ein. Zuvor hatte das fünftgrößte japanische Einzelhandelsunternehmen verkündet, dass es in der zweiten Hälfte des abgelaufenen Fiskaljahres einen Verlust erwirtschaftet habe. Im Jahr zuvor stand noch ein Gewinn in den Büchern. Der Umsatz und die Investitionen seien gefallen.
Aktueller Trend Bond-Märkte: Zinsen steigen.
Aktueller Trend Euro: kurzfristig seitwärts, mittelfristig fallend.
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