Börsenkommentar BB Bank
11. März 2003, 11:52
Aktueller Trend in Deutschland/Europa: Günstig bewertete Titel kaufen.
An den internationalen Aktienbörsen ging es zum Wochenanfang weiter abwärts. In Frankfurt konnte sich der Handel dem allgemeinen Abwärtstrend nicht entziehen. Der Dax-Index brach um 4,2 % auf 2.329,04 Punkte ein. Er notierte somit so tief wie 1996 nicht mehr. Der drohende Irakkrieg und ein Rekordverlust der Deutschen Telekom belasteten den Handel.
adidas-Salomon war die einzige Aktie, die zulegen konnte. Der Wert kletterte um 0,9 % auf 73,94 Euro. Der Markt zeigte sich zuversichtlich, dass der Sportartikelhersteller heute freundliche Geschäftszahlen vorlegen wird. Er erwartete, dass der Gewinn nochmals gestiegen sei und dass der Ausblick freundlich ausfallen werde.
Die Deutsche Telekom sackte um 9,6 % auf 9,15 Euro ab. Das Unternehmen hatte für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Rekordverlust präsentiert. Es mussten umfangreiche Abschreibungen vorgenommen werden. Zudem betonte der Vorstand, dass das Telekommunikationsunternehmen mit einer drückenden Schuldenlast kämpfe.
Das Chemieunternehmen Bayer fiel um 2,4 % auf 11,68 Euro. Analysten vermuteten immer noch, dass das Unternehmen Patienten, die das zurückgezogene Cholesterinmittel Lipobay eingenommen hatten, hohen Schadensersatz zahlen müsse. Außerdem senkte die Investmentbank BNP Paribas sein Kursziel für die Aktie von 25 auf 17 Euro.
Aktueller Trend Neuer Markt: Günstig bewertete, solide Werte kaufen.
Die Anleger hielten sich am Neuen Markt mit neuen Käufen ebenfalls zurück. Sie sorgten sich um einen drohenden Irakkrieg und scheuten sich, vor einem möglichen Kriegsausbruch große Positionen einzugehen. Der Nemax-50-Index gab um 2,9 % auf 317,670 Zähler nach.
Das Halbleiterunternehmen Süss MicroTec war der Tagesverlierer unter den Indexwerten. Die Aktie raste um 15,2 % auf 1,45 Euro nach unten. Am 20. März will das Unternehmen seine Geschäftszahlen vorlegen. Beobachter befürchteten, dass Süss MicroTec ein ähnlich schlechtes Ergebnis wie Aixtron verkünden könnte. Beide Unternehmen operieren im gleichen Markt.
T-Online legte leicht um 0,6 % auf 5,45 Euro zu. Zuvor hatte die Muttergesellschaft Deutsche Telekom mitgeteilt, dass sie bis auf weiteres keine weiteren Aktien des Internetzugangsdienstes verkaufen wolle. Dies vermindert den Verkaufsdruck. Außerdem hatte das Unternehmen seine Geschäftszahlen vorgelegt. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen sei mit 200 Mio. überraschend hoch ausgefallen.
Aktueller Trend in USA: Günstig bewertete Titel kaufen.
In den USA dominierten Spekulationen um finanzielle Probleme der Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac sowie die zunehmenden Ängste vor einem möglichen Irakkrieg das Geschehen auf dem Börsenparkett. Der Dow-Jones-Index rutschte um 2,2 % auf 7.568,18 Stellen nach unten.
Der Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis, William Poole hatte vermutet, dass die Hypothekenbanken Freddie Mac und Fannie Mae mit finanziellen Problemen zu kämpfen hätten. Die kurzfristigen Kredite beider Finanzinstitute seien sehr hoch. Freddie Mac verbilligte sich um rund 6 % auf 50,80 US-Dollar. Konkurrent Fannie Mae gab um 6,9 % auf 58,93 US-Dollar nach.
Der Mischkonzern General Electric hatte am Freitag nach Börsenschluss einen demotivierenden Geschäftsbericht präsentiert. Der Verlust belaufe sich auf 5,25 Mrd. US-Dollar. Eine höhere Pensionsvorsorge habe das Ergebnis verhagelt. Die Aktie sank um 2,9 % auf 23,60 US-Dollar.
Am Rentenmarkt notierten die richtungsweisenden Staatsanleihen mit dreißig Jahren Laufzeit um 23/32 höher und schlossen bei 111 12/32. Damit betrug die Rendite 4,64 %.
Aktueller Trend in Asien/Japan: Untergewichten.
Die japanischen Aktienkurse fielen den sechsten Tag in Folge. Der Nikkei-225-Index rutschte endgültig unter die wichtige Unterstützungslinie von 8.000 Punkten. So tief hatte der Index zuletzt vor zwanzig Jahren notiert. Er brach um 2,2 % auf 7.862,43 Zähler ein. Anleger verkauften Aktien von Unternehmen, die viel exportieren.
Das Automobilunternehmen Toyota Motor verbilligte sich um 2,9 % auf 2.695 Yen. Das Unternehmen erwirtschaftet rund 70 % seines Gewinns in Nordamerika. TDK, der größte japanische Hersteller von Magnetteilchen für Aufnahmebänder, verlor um 6,7 % auf 4.480 Yen. TDK exportiert zwei Drittel seiner Waren nach Übersee. Investoren verkauften diese Aktien, da sie eine schwache amerikanische Wirtschaftsentwicklung befürchteten. Durch einen möglichen Irakkrieg könnte die US-Konjunktur spürbar gedämpft werden.
Sumitomo Mitsui Financial brach um rund 12 % auf 206.000 Yen ein. Das bedeutete gleichzeitig ein Rekordtief. Seit Gründung des Unternehmens stand die Aktie noch nie so tief. Der Markt vermutete, dass die Bank weitere Abschreibungen vornehmen müsse. Dies würde die Kapitalbasis schmälern. Damit könnte das Eigenkapital unter 8 % der Risikoaktiva fallen. Diesen Wert empfiehlt die Bank für internationalen Zahlungsausgleich für die Eigenkapitalausstattung von Geschäftsbanken.
Aktueller Trend Bond-Märkte: Zinsen steigen.
Aktueller Trend Devisen: kurzfristig seitwärts, mittelfristig fallend.
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